Bei Henles wird die Familie groß geschrieben


Ort: Ebnat-Neuler (Ostalbkreis)
Tiere: 40 Schwäbisch-Hällische Muttersauen
120 Schwäbisch-Hällische Mastschweine

 

Rund drei Jahre dauert es, bis ein neuer Mitgliedsbetrieb auf Schwäbisch-Hällische umgestellt hat. Bei Anton und Jürgen Henle läuft alles nach Plan, sagt Fritz Wolf vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst beim Besuch in dem Dorf Ebnat bei Neuler.

 

 

Die Geschichte des Henleschen Hofs ist typisch für die Entwicklung, die Landwirtschaft hierzulande genommen hat. 1963 haben die Eltern von Anton Henle (56) die Hofstelle in Ebnat gebaut. Damals konnten sie davon leben. Als 1991 der Sohn übernahm, war das anders. 14 Kühe und 80 Schweine machten viel Arbeit und brachten wenig ein: Der gelernte Landwirt Anton Henle führte den Hof nur noch im Nebenerwerb, sein Geld verdient er als Angestellter der Gemeinde Neuler.

 

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Mit Jürgen Henle (32), Maschinenbautechniker, ist jetzt die dritte Generation mit am Ruder. Um den Hof zukunftsfähig zu machen, haben Vater und Sohn entschieden, auf Schwäbisch-Hällische umzustellen. Altershalber ausscheidende Muttersauen werden durch Tiere der alten Landrasse ersetzt. Die finanziellen Vorteile liegen für die Landwirte auf der Hand: Für ein Kilo Schwäbisch-Hällisches Qualitätsschweinefleisch (EU-geschützte geografische Angabe) bekommen sie einen Bonus von 45 Cent auf die Notierung. Für Anton und Jürgen Henle zählen aber auch andere Pluspunkte: das ausgeglichene Temperament der alten Landrasse etwa, und die steigenden Ferkelzahlen.

 

Fritz Wolf vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst in Wolpertshausen ist für die Betreuung der Bauersfamilie zuständig: „Die Ferkel machen einen guten Eindruck“, urteilt er nach dem Rundgang durch die Ställe, „alles ist so, wie wir uns das vorstellen.“ Wolf hat auch noch den einen oder anderen Tipp parat. Etwa den, dass den Ferkeln frühzeitig kleine Fressportionen gefüttert werden sollten: „Das entlastet die Muttersau.“ Eine Besonderheit auf dem Hof lässt auch den Fachmann staunen: Die Bauern lassen ihre Sauen per Natursprung decken. So nennt man die natürliche Fortpflanzung, die heutzutage meist durch künstliche Besamung ersetzt wird.

 

Die Landwirte müssen wissen, worauf sie sich einlassen
Fritz Wolf, Landwirtschaftlicher Beratungsdienst

 

Beim ersten Besuch in Ebnat waren die Erzeugerrichtlinien ausführlich Thema. „Die Kenntnis der Richtlinien ist Voraussetzung für die Umstellung“, betont Wolf, „die Landwirte müssen wissen, worauf sie sich einlassen.“ Das sind: Stroheinstreu, mehr Platz, viel Licht und Luft sowie ausreichend Beschäftigungsmaterial. Das meiste Futter – Gerste, Triticale, Weizen – bauen die Henles auf ihren 25 Hektar Fläche selbst an; rund zehn Prozent kaufen sie bei Landwirten im Nachbarort sowie gentechnisch unverändertes Soja von der Initiative Donau Soja.

 

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Als sich Fritz Wolf verabschiedet, wird im unteren Garten bereits der Tisch gedeckt. An diesem Tag treffen sich die Henles wieder mal zum Kaffeetrinken. „Die Familie wird bei uns groß geschrieben“, sagt Jürgen Henle. Die Schwester des Jungbauern Nicole mit ihren Kindern Inga und Kilian ist da, und Melanie, seine Frau. Im Herbst erwarten die beiden ihr erstes Kind. Die Familie wird bei Henles nicht nur groß geschrieben, sie wird auch größer.

 

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