Bedrohte Tiere im Museum


Die Intensivierung der Landwirtschaft, der Tierhaltung und der Tierzüchtung bringt viele Rassen an den Rand der Existenz. Darauf macht der „Tag der bedrohten Tierrassen“ im Hohenloher Freilandmuseum aufmerksam.

 

Laut Welternährungsorganisation sind weltweit über 7000 Tierrassen erfasst oder gemeldet. Davon sind etwa 20 Prozent als gefährdet eingestuft. Noch dramatischer: Etwa die Hälfte aller zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa verbreiteten Tierrassen sind bereits ausgestorben und damit unwiederbringlich verloren gegangen; ein Drittel der verbleibenden Rassen wird als stark bestandsgefährdet eingestuft. Seit 1986 erstellt die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) alljährlich eine Rote Liste der bedrohten Nutztierrassen, um auf die Situation aufmerksam zu machen.

 

1987 hatte die GEH das Schwäbisch-Hällische Schwein zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ ernannt und stuft es – man mag es seiner Bekanntheit wegen kaum glauben – noch heute als „stark gefährdet“ ein. 302 Sauen und 21 Eber sind im so genannten Herdbuch gelistet. Sie bilden die genetische Basis der alten Landrasse, die seit 1998 als besondere regionale Spezialität das EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“ trägt.

 

 

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Im Schaustall auf dem Gelände des Hohenloher Freilandmuseums leben derzeit vier Schwäbisch-Hällische Sauen – eine mit ihren hübschen schwarz-weißen Ferkeln - und Eber Hektor. Auf der großen Schweineweide nebenan sind zudem jüngst vier weitere Tiere eingezogen, die sich auf dem Gelände bereits sauwohl fühlen. Die alte Landrasse ist dank ihrer Konstitution für die Weidehaltung bestens geeignet.

 

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Mit der Tierhaltung, wie sie früher zum dörflichen Leben gehörte, leistet das Museum zudem einen gesellschaftspolitischen Beitrag. Es bietet Menschen einen unmittelbaren Zugang zu Landwirtschaft und Tieren, der heute kaum noch möglich ist - und immer wichtiger wird. Wie kürzlich bekannt wurde, will die Stuttgarter Wilhelma ihren beliebten Schaubauernhof schließen. Kein Wunder, dass sich Widerstand gegen die Pläne formiert.

 

 

b2ap3_thumbnail_blog_Folge12_Wackershofen_4.jpgMitte Juni sind die Schwäbisch-Hällischen auf der großen Schweineweide im Freilandmuseum eingezogen.

 

 

Den Tag im Hohenloher Freilandmuseum (Sonntag, 25. Juni, 10 bis 17 Uhr) organisiert übrigens Carmen Tetschl. Neben den heimischen Schwäbisch-Hällischen Schweinen und Limpurger Rindern sind weitere 23 auf der Roten Liste geführte Tierrassen zu sehen: „Lachs- und Seidenhühner etwa, Laufenten und Altwürttemberger Pferde.“ Die Halter nehmen teils weite Anfahrten in Kauf, um ihre Tiere zu zeigen, sagt sie: „Den Teilnehmern ist es wichtig, auf die Situation der aussterbenden Rassen aufmerksam zu machen.“ www.wackershofen.de

 

 

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