Dank für die Ernte


Die Felder sind kahl, die Ernte eingebracht, der Herbst ist da: Am ersten Oktobersonntag wird allerorts in Hohenlohe Erntedank gefeiert. In Schwäbisch Hall übergibt traditionell die Landjugend mit einem Volkstanz die Erntekrone an den Landkreis.

 

Im Gottesdienst danken die Gläubigen Gott für seinen Beistand bei der Ernte. Die Kirche ist mit Feldfrüchten und Obst und Ähren geschmückt, aus Getreideähren haben Bäuerinnen die Erntekrone gebunden. Mancherorts wird – ein Relikt vorchristlicher Zeit – aus den letzten Garben eine Erntepuppe geknotet, die auf dem abgeernteten Feld aufgestellt wird.

 

Bräuche, die vielen heute altertümlich erscheinen mögen. Doch für Bauern war immer die Ernte der Höhepunkt des Jahres, denn von ihr hing das Überleben ab. Und das ist heute nicht anders.

 

 

b2ap3_thumbnail_blog_Folge26_Erntedank_2.jpgBild 2Die Übergabe der Erntekrone durch die Landjugend im Jahr 1951.

 

 

Denn Bauer sein ist schon immer ein hartes Geschäft. Die Arbeit ist abhängig von den Launen der Natur, Freud und Leid liegen nah beieinander. Mag die Saat im Frühjahr noch so gut aufgehen: Ein heftiges Gewitter oder später Frost – wie in diesem Jahr - kann die ganze Ernte vernichten. Mit diesem Risiko leben Menschen, die keine geregelte Arbeitszeit haben und die sich auch sonntags auf den Traktor setzen, bevor das Wetter umschlägt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild: Die Tradition lebt: 2011 übergibt die Landjugend Schwäbisch Hall mit einem Tanz die Erntekrone 

 

b2ap3_thumbnail_blog_Folge26_Erntedank_3.jpgBild 3: Jungbäuerinnen auf dem festlich geschmückten Erntedankwagen der Haller Landjugend beim Festzug 1951 zum Erntedanktag

 

In der Wertschätzung für bäuerliche Landwirtschaft sind sich die meisten Verbraucher einig, ihr Verhalten freilich ist widersprüchlich. Einerseits fordern sie mehr Geld für naturnahe Bewirtschaftung wie Tierwohl und tragen andererseits ihr Geld zum Discounter, um sich mit möglichst billigen Lebensmitteln einzudecken.

 

Die Folgen liegen auf der Hand: Die deutsche Landwirtschaft entwickelt sich zur Agrarindustrie. Wachsen oder weichen lautet daher die Devise für viele Bauern, die beim Preiskampf im Lebensmittelsektor nicht mithalten können oder wollen. Bäuerliche Landwirtschaft droht unterzugehen.

 

Wenn an diesem Sonntag auf dem Lande Erntedank gefeiert wird, ist das auch mal ein Anlass, über den Wert von Lebensmitteln nachzudenken – und für Wertschätzung: Dafür, dass irgendwer früh aufgestanden und spät ins Bett gegangen ist, damit wir einen Liter Milch, ein Stück Fleisch, ein Kilogramm Kartoffel oder unser täglich Brot bekommen. So könnten wir den wahren Wert unserer Lebens-Mittel neu entdecken.

 

 

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