Der Flächenfraß bedrängt die Landwirtschaft


Die zwei Hektar große Wiese eignet sich perfekt als Schweineweide. Doch Schwäbisch-Hällische Weideschweine werden hier in absehbarer Zeit nicht grunzen: Der Ausbau der Autobahn 6 zwischen Nürnberg und Heilbronn hat die Pläne von Fritz Wolf durchkreuzt.

 

Der Landwirt aus Bitzfeld im Hohenlohekreis deutet auf die Autobahnbrücke hinter sich, über die der Verkehr braust: „Die muss neu gebaut werden, deshalb wird aus der Weide vorerst nichts.“ Die Fläche, auf der die Schweine hätten weiden sollen, wird in den nächsten Jahren für Baumaschinen und -material benötigt. Obwohl die Ämter für die Schweineweide schon grünes Licht gegeben haben, ist die Planungsunsicherheit für den Agraringenieur zu groß.

 

Fritz Wolf geht es aber nicht nur um die Weide, sondern um Grundsätzliches: „Die Unruhe unter den Bauern nimmt zu, weil bei uns unverhältnismäßig viel Ackerland wegfällt.“ Denn die Region brummt – mit der Folge, das rechts und links der Autobahn Industrielager und Speditionsgebäude gebaut werden, meist einstöckig und mit riesigen Parkplätzen davor. „Der Flächenverbrauch hier ist gigantisch“, sagt Wolf, „und das bei unserem guten Lössboden und dem guten Klima.“ Hier gedeiht einfach alles: Wein, Obst, Getreide.

 

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„Die Landwirtschaft wird immer weiter zurückgedrängt“, klagt der Agraringenieur. Der Flächenfraß im Land hat sich zwar etwas verlangsamt, ist aber unverändert hoch. Zu hoch, meinen Umweltschützer und Landwirte. Die aktuellen Zahlen stammen aus dem Jahr 2016: Umgerechnet fünf Fußballfelder Acker- und Wiesenflächen wurden für Siedlungs- und Verkehrsbauten verplant – und das täglich! „Man kann sich ausrechnen, wie lange das noch geht“, schimpft der Landwirt. Der Preis, den der Bund als Bauherr der Autobahn den Bauern für ihre Flächen zahlt, ist laut Wolf zudem zu niedrig: 8 Euro sei ein Quadratmeter wert, sagt er, die Landwirte bekämen aber nur 5 Euro.

 

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Der groß gewachsene Mann schickt einen letzten bedauernden Blick über die Weide, an die eine Scheuer grenzt: „Früher haben wir hier Rinder und Pferde gehalten, das hätte schon für die Schweine gepasst.“ Dann steigt er auf den roten Traktor. Auf der Rückfahrt muss mit dem Pflug im Gepäck durch eine Wohnsiedlung von Bitzfeld fahren, um auf sein Hofgelände in der Ortsmitte zu gelangen. Ein parkendes Auto zwingt den Bauern so weit rechts zu fahren, dass der Anhänger in den Vorgarten eines Hauses ragt. Geschickt navigiert Wolf seinen Traktor durch die Engstelle.

 

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Zum Wolfschen Hof gehört übrigens auch eine traditionsreiche Gastwirtschaft. Hier kommen regionale Spezialitäten auf den Tisch – auch Schwäbisch-Hällisches Qualitätsschweinefleisch g.g.A. Fleisch von eigenen Weideschweinen wird’s allerdings nicht geben. Eigentlich schade.

 

 

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