Der Linsen-Bauer


Im Offenstall hoch über dem Dorf Wachbach ist aufgetischt: Die Kühe, Kälber und Bullen verspeisen ihr Frühstück. Hier, im Tauberfränkischen betreibt Bio-Landwirt Anton Scheidel Mutterkuhhaltung und Ackerbau. Eine Spezialität seines Hofs sind Linsen.

 

Anton Scheidel ist ein groß gewachsener, schlanker Mann mit wachem Blick und verschmitztem Lächeln. Seine Ausbildung hat der Agrarbetriebswirt in Triesdorf gemacht, an der Technikerschule und Höheren Landbauschule: „Ich bin ein Praktiker.“ 1992 stellte der heute 50-Jährige den vom Vater übernommenen Hof auf Bio um und baute im Jahr 2000 hier oben den Stall und das Wohnhaus neu.

 

Vor vier Jahren investierte die Familie in eine kleine Biogasanlage: „Damit versuchen wir, den natürlichen Kreislauf zu schließen.“ Das heißt: Die Tiere verwerten Gras und Ackerfutter des Betriebs. Mit ihrem Mist wird die Biogasanlage gefüttert. Durch die Erhitzung auf 50 Grad Celsius keimen die Unkrautsamen nicht mehr, die sich im Gärrest befinden. Dieser wiederum wird als Dünger auf den Feldern ausgebracht. „Die Anlage wirft keinen Gewinn ab, trägt sich aber“, sagt Scheidel, „im Gesamtkreislauf passt Biogas also gut bei uns rein.“ Nebenbei heizt die Anlage auch Haus und Werkstatt. Und: Die Gülle stinkt nicht, sie riecht eher süßlich.

 

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Kühe und Kälber – die Bullen bleiben aus Sicherheitsgründen im großen Offenstall - bringen die Scheidels mit Treibwagen oder auf dem Hänger im Frühjahr auf die Weiden. Das ist ein enormer Aufwand für den Familienbetrieb, doch viele Flächen des Betriebs grenzen nun mal nicht direkt an den Hof. Die Tiere werden ausgemästet, die männlichen erreichen nach zwei Jahren ein Gewicht von rund 400 Kilogramm, die weiblichen werden etwa 300 Kilogramm schwer. Geschlachtet werden sie im Schlachthof der Erzeuger in Schwäbisch Hall, das Bio-Rindfleisch vermarktet die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall.

 

„Ein so trockenes Frühjahr habe ich noch nie erlebt“
Anton Scheidel, Bio-Bauer

 

Rund 150 Hektar Fläche bewirtschaften die Scheidels, zwei Fünftel davon Grünland, auf drei Fünftel betreiben sie Ackerbau. An den Hof grenzt ein Feld, auf dem sich Gräser im Wind wiegen. „Das ist Dinkel“, erklärt Scheidel, „unsere Hauptkultur.“ Bereits 1990 hat der Bio-Landwirt den ersten Dinkel gedroschen. Freilich eine besondere Sorte: Bauländer Spelz, der zu Grünkern verarbeitet wird. Diese Kultur passt auf die kargen Böden Tauberfrankens.

 

Sorgen macht Scheidel das Wetter und vor allem die geringen Niederschläge: „Ein so trockenes Frühjahr habe ich noch nie erlebt.“ Vor einigen Tagen sind 16 Liter Regen gefallen, „wenig, aber besser als nichts“. Der Bio-Bauer zeigt auf einen gegenüberliegenden Hügel: „Da ist das Gras schon verdorrt.“ Auch der Braugerste ist die Hitze schlecht bekommen: „Die eine Hälfte ist aufgegangen, die andere nicht.“

 

„Die Linse braucht karge Böden, sonst überwächst sie sich"
Anton Scheidel, Bio-Bauer

 

Ein kurzer Fußweg führt zum vier Hektar großen Linsenfeld. Anton Scheidel kniet auf die Erde und deutet auf ein kleines Pflänzchen: „Durch den Regen ist ein bisschen was aufgegangen.“ Ob das auch auf die nachgetriebenen Pflanzen zutreffen wird? Da Linsenpflanzen am Ende der Reifeperiode zum Kippen neigen, hat er als Stützfrucht Leindotter gesät. Die Eiweißfrucht passt gut in die Region, erklärt Scheidel: „Die Linse brauchen karge Böden, sonst überwächst sie sich.“ Auch hier wäre ein bisschen Regen willkommen.

 

Da bleibt nur ein gewisser Fatalismus: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte“, zitiert der Bio-Landwirt aus dem Matthäus-Evangelium. Vor sieben Jahren hat Scheidel mit dem Anbau von Linsen begonnen und daher schon viel Erfahrung gesammelt. Vermarktet werden die kleinen, den französischen Puy-Linsen ähnlichen Früchte übrigens auch über den Bio-Verband Ecoland (www.ecoland.de).

 

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Die kleinen grünen Eiweißfrüchte werden in diesem Jahr wohl früh geerntet. „Wir sind vegetationsmäßig sehr weit“, Scheidel deutet auf einen Holunderstrauch, an dem die ersten Dolden zu blühen beginnen: „Das geschieht normalerweise zur Heu-Zeit.“ Mit dem Anbau der alten Sorten sieht er den Betrieb aber auch in schwierigen Zeiten gerüstet: „Die bringen einen gewissen Grundertrag und gleichen Wetterextreme besser aus.“

 

Vom väterlichen Konzept sind wohl auch seine Söhne überzeugt. Zwei sind inzwischen in den Betrieb eingestiegen und wollen den Hof weiterführen.

 


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