Der Umsteller


Ein idyllisch gelegener Weiler im Hohenlohischen. Die große Hofstelle gegenüber ist verwaist, die Landwirte haben aufgegeben. Der Bauer, mit dem Fritz Wolf vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst an diesem Tag verabredet ist, hat andere Pläne.

 

Vor mehr als sieben Jahren ist der 49-Jährige als Betriebshelfer auf den Hof gekommen, um die Besitzerin nach dem Unfalltod ihres Bruders zu unterstützen. Und er ist geblieben. Neben seinem Hauptjob als Kraftfahrer versorgt die er 70 Muttersauen verschiedener Rassen, Deutsche Landrasse und Schwäbisch-Hällische, die in den Ställen auf Stroh gehalten werden. Nun, da die Hofeigentümerin im Rentenalter ist, stellt sich den beiden die Frage: aufhören oder (anders) weitermachen? Sie haben sich fürs Weitermachen entschieden - wenn es sich rechnet. Ihr Plan: Künftig wollen sie ganz auf die alte Landrasse setzen, Mitglied der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft werden und ihre Ferkel selbst mästen.

 

Zunächst besichtigen Wolf und der Landwirt die Ställe. Die Tiere sind munter und machen auf den Berater einen guten Eindruck. Kein Wunder, haben sie doch weit mehr Platz als vorgeschrieben. Das Futter stammt vom eigenen Betrieb. „Ich dünge nicht mal die erlaubte Hälfte und bekomme trotzdem genug raus“, sagt der Bauer zufrieden und krault einer neugierigen Sau den Rücken.

 

Der Rundgang hat Fritz Wolf zufrieden gestellt: „Unseren Segen habt ihr.“ Dann rechnet er dem 49-Jährigen vor, dass sich die Umstellung auf Zucht und Mast der alten Landrasse für den Betrieb wirklich lohnt. Generell gilt: Die Abnahme der Schlachttiere ist garantiert, auch wenn ein Landwirt nur eine Gruppe von zehn oder 15 Schweinen zum Erzeugerschlachthof bringt. Das ist ein wichtiges Argument gerade für kleine Betriebe.

160 Euro Zuschuss aus dem Landesprogramm Fakt (Förderprogramm für Agrar, Umwelt, Klimaschutz und Tierwohl) bekommt ein Bauer, wenn er sich eine Schwäbisch-Hällische Zuchtsau anschafft. Landwirte, die Schwäbisch-Hällische mästen, erhalten ebenfalls Fakt-Zuschläge und weitere von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft. „So addiert sich der Preis auf 2,06 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht Schwäbisch-Hällisches Qualitätsschweinefleisch g.g.A.“, bilanziert der Berater. Das ist ein Wort bei Preisen um die 1,50 Euro, die derzeit handelsüblich sind.

 

Und noch ein Pfund hat der Bauer im Ärmel. Hinter dem Hof erstreckt sich eine rund ein Hektar große Weide. „Könnten wir hier Schwäbisch-Hällische Weideschweine halten?“ Keine Frage für Fritz Wolf: „Das würde ich auf jeden Fall machen.“ Die Investitionen in den Zaun etwa rechne sich schnell und komme über die Vermarktung locker wieder rein. 3,50 Euro zahlt die Erzeugergemeinschaft derzeit für ein Kilogramm Schlachtgewicht bei Eichelmastschweinen.

 

Die Auskünfte von Fritz Wolf haben den 49-Jährigen zufrieden gestellt. Er ist sich sicher: „Auf Schwäbisch-Hällische umzustellen ist wirtschaftlicher und macht auch noch Spaß.“ Jetzt fehlt nur noch der Segen der Hofbesitzerin. Er hat keine Zweifel: „Das ist der richtige Weg für uns!“

 

 

 

 

 

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