Ein Kalb auf der Weide am Demeter-Hof


Beim Besuch auf dem Demeter-Hof in Brunzenberg werden wir Zeugen einer Geburt: Die „Junge Paula“ hat auf der Weide ein Kalb zur Welt gebracht. Zuvor hatte sich die Kuh von der Herde abgesondert. „So ist es natürlich und uns am liebsten“, sagt Landwirt Johannes Schöll.

 

Rund 20 Mutterkühe stark ist die Herde vom Buchenhof bei Frankenhardt (Kreis Schwäbisch Hall). Und ganz schön bunt. Vertreten sind Pinzgauer Rinder – eine österreichische Rasse, die auf der Roten Liste gefährdeter Rassen steht, das Limpurger Rind sowie Rinder der Rasse Fleckvieh. Im Stall und auf der Weide am Hof suhlen sich zudem genüsslich Schwäbisch-Hällische Schweine im Schlamm.

 

Auf dem Buchenhof ist freilich alles etwas anders als auf den meisten Hohenloher Höfen. Johannes Schöll bekennt sich zwar ausdrücklich zu Schwein und Rind, doch die Tiere spielen auf seinem Betrieb nicht die Hauptrolle. Die Stars auf dem Demeter-Hof sind nämlich Einkorn, Emmer und Co. Auf rund 62 Hektar kultiviert die Familie das inzwischen in Mode gekommene Urgetreide an – und das schon seit bald 25 Jahren. Viermal wöchentlich backen die Schölls aus eigenem Mehl und bewirtschaften den Hofladen sowie das (derzeit Corona wegen geschlossene) Hofcafé.

 

Demeter-Landwirt Johannes Schöll ruft nach seiner Rinderherde.

Johannes Schöll hat in Kassel (Witzenhausen) Ökologische Agrarwissenschaften studiert, ehe er den elterlichen Hof übernahm. Monokulturen kommen auf einem Demeter-Hof nicht infrage, auf den Feldern wird Biodiversität gelebt. In der biodynamischen Landwirtschaft soll für einen gesunden Boden der Anteil von Getreide maximal 60 Prozent, der von Leguminosen – also Lupinen, Erbsen und Ackerbohnen - mindestens 25 Prozent betragen. „Die Schweine sind sinnvoller Teil des Ganzen“, erklärt der Landwirt, „sie verwerten das, was für die Fruchtfolge nötig ist.“

 

„Kühe düngen mit ihrem Mist und verbessern die Bodenfruchtbarkeit“
Johannes Schöll, Demeter-Landwirt

 

Die Buchenhof-Herde grast in der Nähe des Demeter-Hofs.

Das gilt gleichermaßen für die Rinder. Im Sommer grast die Herde die Weideflächen – etwa zwölf Hektar gehören zum Buchenhof – mit dem frischen Kleegras ab. „Kühe verwerten, was  wir nicht können“, erklärt der Demeter-Landwirt, „zudem düngen sie mit ihrem Mist und verbessern die Bodenfruchtbarkeit.“ Im Winter lebt die Herde in einem großen Offenstall am Hof, von dem aus die Tiere jederzeit Zugang zur Weide haben. „Wir mästen nicht“, betont Schöll. Zu fressen bekommen die Tiere dann nahezu ausschließlich Heu. „Dazu geben wir noch Minerallecksteine, manchmal etwas Kleiereste oder Schrot als Leckerbissen.“

 

Die „junge Paula“ bringt auf der Weide ein Kälbchen zur Welt - wir waren in den Minuten danach dabei!

 

Wir nähern uns der „Jungen Paula“ und ihrem Kälbchen, halten freilich respektvoll Abstand. Während die Kuh mit ihrem Schwanz die vom Blut angelockten Fliegen zu vertreiben sucht, leckt sie unermüdlich das Fell des Kleinen trocken. Zugleich regt sie damit den Kreislauf wie die Atmung an und verstärkt die Bindung zu ihrem Kalb. Das ist noch ein bisschen wackelig auf den Beinen und fällt immer mal wieder ins Gras. Kaum hat es sich aufgerappelt, versucht es die Zitzen zu erreichen. Anfangs vergeblich. Die junge Mutter dreht sich immer wieder weg, um weiter zu schlecken. „Wenn das Euter sehr prall ist, schmerzt das Saugen die Kuh zunächst“, erklärt Schöll. Geduldig lässt er der Natur ihren Lauf und wirklich: Kurz darauf lässt die „Junge Paula“ das Kleine an ihre Zitzen. Es stellt sich tags darauf übrigens als Bullenkalb heraus.


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