Katastrophe für die Bauern


„Was ist mit dem Wetter los?“, titelt die Süddeutsche Zeitung in dieser Woche. Kein Thema treibt die Menschen derzeit mehr um. Das gilt besonders für die Landwirte. In Hohenlohe haben Bauern mit den massiven Folgen der Unwetterschäden zu kämpfen: zwei Betroffene.

 

Der Bio-Hof von Hermann Michael Renner in Kleinforst, einem Mitgliedsbetrieb der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, liegt im idyllischen Jagsttal. Er ist kaum mehr wieder zu erkennen. Der Dünsbach, der vor seinem Hof in die Jagst mündet, hatte sich in der Nacht zum 30. Mai nach den heftigen Niederschlägen in einen reißenden Strom verwandelt und Tonnen von Gestein sowie Baumstämme samt Wurzeln in den Ort geschwemmt. Stall und Scheune der Renners sind zerstört, Weiden, auf denen die Familie 125 Kühe und Rinder sowie 20 Schafe hält, waren Geröllfelder. „Zum Glück ist weder Mensch noch Tier etwas passiert“, erzählt Renner. Doch den Landwirt treiben Sorgen um: „Das gibt einen finanziellen Kraftakt, das zu schultern.“

 

In der kleinen Schweineschule von Kerstin Gronbach in Michelbach an der Heide können  Kinder das Thema Bauernhof hautnah erleben. Sie erfahren, woher das Essen kommt und wozu wir Bauern brauchen. Den Hof hat eine Flutwelle von ungeahnter Macht überrollt. „Das Unwetter floss in einem reißenden Strom aus Wasser, Schotter und Ackerboden durch den Hof, Scheune, Stall und das Schweineschulhaus“, schildert die Bäuerin: „Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.“ Die Schweine im Stall seien mit dem Schrecken davon gekommen und kein Ferkel ertrunken. Mit Hilfe vieler, die geschuftet und geholfen haben, kann der Schweineschulbetrieb – zu dem auch Schwäbisch-Hällische Ferkel gehören – für Schulklassen weitergehen.

 

Mais-, Zuckerrüben-, Raps- und Ackerbohnenfelder sind überflutet, Rübenpflanzen verschlammt, Kartoffeldämme freigespült und ganze Höfe von den Fluten massiv beschädigt. Die (vorläufige) Bilanz für die deutsche Landwirtschaft: Rund 36 000 Hektar mit einer Versicherungssumme von rund 78 Millionen Euro haben die Bauern als geschädigt gemeldet.

 

Für Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) ist klar: „Wenn die Prognosen der Wetterforscher eintreten, werden die Wetterextreme noch zunehmen. Deshalb braucht es Strategien, um die Landwirtschaft und den Wald fit für den Klimawandel zu machen“, sagte der Minister in Stuttgart. Erste Maßnahmen seien getroffen, aber es müsse weiter geforscht und in einem engen Austausch mit den Landesanstalten und den Landwirten an weiteren Maßnahmen gearbeitet werden, erklärte Hauk.

 

Die Landesregierung in Stuttgart will den von Unwettern betroffenen Bauern helfen. Das Kabinett in Stuttgart hat dazu Maßnahmen besprochen und das Geschehen als „Katastrophe“ eingestuft – die Voraussetzung für staatliche Zuwendungen. Darauf warten Hermann Michael Renner, Kerstin Gronbach und andere betroffene Landwirte.

Bild Zerstört: Michael Renners Hof  – überflutet: Kerstin Gronbachs Hof.


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