Schaulaufen im Schaustall


Wer ist die Schönste im ganzen Stall? Den Schwäbisch-Hällischen Jungsauen im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen ist das herzlich egal. Doch an diesem Tag steht die Entscheidung an, ob sie ins Herdbuch aufgenommen und damit Zuchtsauen werden.

 

Die drei Schwäbisch-Hällischen sind im September vergangenen Jahres geboren und bringen schon weit mehr als 100 Kilogramm auf die Waage. Die ist nämlich die erste Station bei der so genannten Selektion, bei der sich entscheidet, welche Sau für das so genannte Herdbuch, das Zuchtbuch der alten Landrasse geeignet ist. Zur besseren Unterscheidung markiert Martin Schneider vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst die Sauen mit grünen Punkten am Rücken.

 

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Nach dem Wiegen tupft Schneider etwas Öl auf den Rücken der Sau: „Für den Kontakt zum Echolotgerät.“ Damit misst er die Rückenspeckdicke der Tiere. Warum bei einer Schwäbisch-Hällischen Sau hier ordentlich Speck wichtig ist, kann in der Bucht nebenan begutachtet werden. Hier lebt Herdbuchsau Arona mit ihren zwölf Ferkeln, die trotz des plötzlichen Wintereinbruchs Ende Februar prächtig gediehen sind. Auf Kosten der Muttersau freilich: „40 Kilo hat sie sicher verloren“, schätzt der Landwirtschaftsmeister.

 

„Die Sauen haben schönes Gesäuge, die Zitzen sind aneinandergereiht wie Perlen an einer Kette.“ Martin Schneider, Landwirtschaftsmeister

 

Die drei Jungsauen sind sichtlich erleichtert, dass die Prozedur überstanden ist und sie sich wieder frei in ihrer Bucht bewegen können. Nun steht die optische Beurteilung an: Entsprechen sie den Zuchtzielen, welche die Züchtervereinigung 1986 bei der Wiedergeburt der alten Landrasse festgelegt hat? Mit geübten Blick taxiert Schneider die drei, die sich im Auslauf erst mal erleichtern: „Die Sauen haben schönes Gesäuge, die Zitzen sind aneinandergereiht wie Perlen an einer Kette.“ Das hört Marina Bühler gerne. Die Agrarwissenschaftlerin ist für den Schaustall verantwortlich und notiert die Noten.

 

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Neben der Anzahl der Zitzen, die naturgemäß bei Sauen wichtig sind, spielen das Verhältnis Körperlänge und -höhe, die Beschaffenheit der Fesseln und Hinterbeine, die Stellung der Klauen, die Bemuskelung und andere Faktoren eine Rolle. Aus den vielen Details errechnet Martin Schneider am Ende eine Note für jedes Tier. Das Ergebnis: Mit Note 6 ist die schwerste Sau fürs Herdbuch geeignet und wird hoffentlich viele Herdbuchtiere werfen. Die beiden anderen bekommen die Note 5 und werden später bei Hohenloher Landwirten Mastferkel zur Welt bringen. „Ich selektiere so, dass ich die Sauen mit gutem Gewissen einem Landwirt geben kann“, erklärt Schneider und knipst den Tieren blitzschnell eine rote Marke ins Ohr – das Zeichen, dass er die Sauen bewertet hat.

 

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Anschließend trennen Marina Bühler und Martin Schneider Muttersau Arona von ihren immer hungrig nach den Zitzen schnappenden Ferkeln. Die sind jetzt groß genug, ausschließlich feste Nahrung zu sich zu nehmen. „Das hat du gut gemacht“, sagt Schneider und tätschelt die Sau auf dem Weg zu einer anderen Bucht, in der sie sich ausruht, Gewicht anfrisst – und meist schon nach fünf Tagen erneut rauschig wird. Fortpflanzungswunder Schwein.

 

 

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