So lebt ein Bio-Schwein


Bio-Schweinefleisch ist Mangelware in Deutschland, nur etwa 250 000 der jährlich über 58 Millionen geschlachteten Schweine stammen von Bio-Höfen. In Zeiten von Tiefstpreisen für konventionelles Schweinefleisch liegt für Landwirte die Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise nahe.

 

Wo aber liegen die Unterschiede zwischen einem Bio-Schweinestall und einem konventionellen Stall? In der ökologischen Tierhaltung gilt der Grundsatz: Die Haltungsbedingungen werden den Bedürfnissen der Tiere angepasst und nicht das Tier den Ställen. Daher darf jedes Bio-Schwein ins Freie. Auslauf ist in den Bio-Regeln vorgeschrieben. Das ist artgerecht, denn Schweine bewegen sich von Natur aus gerne und sind neugierig. In der konventionellen Tierhaltung werden Schweine üblicherweise ausschließlich im Stall und ohne Außenreize gehalten.

 

Bio-Schweine haben Platz im Stall. Einem konventionellen Schwein stehen gerade mal 0,75 Quadratmeter zur Verfügung. Bio-Schweine werden in der Endmast auf 1,3 Quadratmeter Stallfläche plus 1 Quadratmeter im Auslauf gehalten. Mehr Platz bedeutet weniger Stress, da die Tiere für ihre unterschiedlichen Bedürfnisse (liegen, fressen, wühlen) unterschiedliche Bereiche nutzen können. Vollspaltenböden, durch die Ausscheidungen abfließen, sind in der konventionellen Haltung die Regel. Die Folge: Ohne Stroh ist die Verletzungsgefahr für die Klauen der Tiere höher. Und sie sind Güllegasen ausgesetzt. Diese Haltung ist für Bio-Schweine verboten.

 

Schweine sind Säugetiere, und die Muttermilch erfüllt den Nährstoffgehalt der Ferkel am besten. Daher bleiben Bio-Ferkel 40 Tage bei der Muttersau. In der konventionellen Haltung dürfen Ferkel schon nach 21 Tagen von der Mutter getrennt werden. In den ersten vier Wochen werden ihnen zudem die Schwänze kupiert und die Zähne abgeschliffen – diese Maßnahme soll Kannibalismus vorbeugen.

 

Schweine fressen bekanntlich für ihr Leben gerne. In der konventionellen Haltung ist weder gentechnikfreies noch regionales Futter vorgeschrieben. Statt dem von den Tieren so geschätzten Raufutter (Heu, Stroh oder Gras), das überdies als Spielmaterial die Langeweile vertreibt, wird konventionellem Futter bisweilen Holzfasern als Quellstoff verabreicht, um die Verdauung zu fördern. Bio-Schweinen dagegen wird nur gentechnikfreies (Bio-)Futter verabreicht – mindestens 20 Prozent davon müssen aus der Region stammen, in der Praxis liegt der Anteil weit darüber.

 

Bio-Landwirt Dietmar Lober aus Braunsbach im Kreis Hall hat sich für die Ferkelerzeugung mit Schwäbisch-Hällischen Schweinen entschieden. Die alte Landrasse ist für ökologische Haltung gut geeignet, denn die Tiere sind dank ihrer Genetik besonders stressstabil. Für Lober ist Bio-Landwirtschaft ohne Alternative: „Es ist die richtige Richtung.“ Dafür sorgen neben einem guten Gefühl für den Bauern auch die auskömmlichen Preise, die Bio-Bauern für ihre Tiere erzielen (siehe Blog: Biobauern gesucht!). Und die Verbraucher? Diejenigen, die Bio-Haltung überzeugt, müssen Bio-Schweinefleisch nachfragen – und vor allem kaufen!

 

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