Wer schafft’s ins Herdbuch?


Bei den Eberhardts in Frankenhardt-Hellmannshofen hat sich an diesem Tag Martin Schneider vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst Schwäbisch Hall angesagt. Die Schwäbisch-Hällischen Sauen werden selektiert, die Schwäbisch-Hällischen Eber gekört, wie es in der Fachsprache heißt. Bäuerin Birgit Eberhardt schiebt noch schnell den Tontopf mit dem Putenschlegel in den Ofen, der Gast wird auch zum Mittagessen bleiben. Man schätzt sich, man scherzt miteinander. Und doch ist dieser Tag für die Eberhardts von einiger Bedeutung: Vom Urteil des Experten hängt ab, welche ihrer Sauen und Eber fürs Herdbuch zugelassen werden – die Spitzenklasse der Schwäbisch-Hällischen. Mit den Herdbuchsauen und -ebern der alten Landrasse werden die Sauen für die Ferkelerzeuger gezüchtet.

 

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Eine Schwäbisch-Hällische Sau auf der Viehwaage im Eberhardtschen Stall.

 

Martin Schneider im Overall hat einen kleinen grauen Kasten und jede Menge Listen mitgebracht. Zunächst schiebt er die Viehwaage in den Stall. Die Bäuerin holt eine Sau aus der Bucht und bugsiert das Tier in den Metallkasten. Eher neugierig als ängstlich lässt sich das Tier die Prozedur gefallen. Zuerst liest die Bäuerin die Nummer auf der Marke am Ohr ab. Sie ist praktisch der Personalausweis des Tieres. Dann das Gewicht: „103 Kilogramm“, diktiert sie Schneider. Schließlich kommt der Kasten zum Einsatz. Ein bisschen Öl auf drei Stellen am Rücken geträufelt, dann berührt Birgit Eberhardt mit einem Prüfkopf die Stelle. Auf dem Display des Messgeräts schlagen die Kurven aus – „1,3, 1,2, 1,4“ liest Schneider ab. Aus drei Werten errechnet er den Mittelwert: „Die Rückenspeckdicke ist für eine Jungsau wichtig. Wenn sie Ferkel hat, verbrennt sie viel Energie.“

 

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Auf dem Display des Messgeräts schlagen die Kurven aus – die Werte für die Rückenspeckdicke.

 

Die beiden arbeiten konzentriert und routiniert. Ist ein Tier gewogen und gemessen, darf es im Hof herumspazieren und die kalte Wintersonne genießen. Hier sind am Ende alle neun Sauen versammelt. Jetzt geht’s an die optische Beurteilung. Entspricht das Tier den Zuchtzielen, welche die Züchtervereinigung 1986 festgelegt hat? Die Zitzen werden gezählt, so genannte Zwischenzitzen, die sich vererben, sind verpönt. Dann sind Länge und Höhe des Körpers zu beurteilen, anschließend die Bemuskelung. Besonders wichtig für die recht schweren Tiere ist aber das „Fundament“ – also die Beine, die Fesseln und die Klauen. Hier kann sogar der Laie mitreden: Eine Sau geht wie auf Stelzen, eine andere hat richtige O-Beine, wieder andere bewegen sich ganz natürlich. Aus den vielen Details errechnet Martin Schneider am Ende eine Note für jedes Tier: 7 und 8 qualifizieren fürs Herdbuch, mit den Noten 5 und 6 ist die Sau für die Ferkelerzeugung geeignet.

 

Birgit Eberhardt diskutiert sachkundig mit ihrem Gegenüber. Meist sind die beiden in der Beurteilung der Tiere einer Meinung, auch wenn es der Bäuerin leid tut, dass es das eine oder andere Schwein nicht in die Spitzenklasse schafft. „Wir Züchter wollen den Erzeugern nur gute Tiere liefern, das fällt sonst auf uns zurück“, erklärt sie. Das letzte Wort in dieser Sache hat aber der Zuchtleiter für Baden-Württemberg. Albrecht Weber aus Stuttgart wacht darüber, dass nur Schwäbisch-Hällische ins Herdbuch kommen, die dem Zuchtziel entsprechen. Die Schönsten eben.

 

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